Franco spaltet Spanien – auch 43 Jahre nach seinem Tod

Es ist ein monumentaler Bau, den der spanische Diktator Franco im Valle de los Caidos bauen ließ. Nach seinem Tod 1975 wurde er dort zu Grabe getragen. Jetzt soll er weg.

Endet ein Regime, gibt es eigentlich nur eine Handvoll Methoden, wie das Land mit den Gestürzten umgeht. Manche schlagen ihnen die Köpfe ab, andere gründen eine Behörde. Manchmal überlässt man es den Siegern, oder man gründet eine (zahnlose) Wahrheitskommission. Als Spanien nach dem Tod des Generalissimus Franco zur parlamentarischen Monarchie wurde, tat man im Grunde gar nichts. Und so blieb auch das Valle de los Caidos unangetastet, mit ihr jene Basilika, in der Franco seine letzte Ruhestätte fand. Er und unzählige andere gefallene Soldaten des spanischen Bürgerkriegs, aus dem Franco siegreich hervorging.

Die großen sozialistischen Regierungen, die dazu beitrugen Spanien zu einer europäischen Demokratie werden zu lassen, rührten das Thema nicht an. Die Partido Popular, deren Wurzeln teilweise selbst francistisch sind, erst recht nicht. Doch die neue sozialistische Minderheitenregierung unter Pedro Sanchez hat nun beschlossen den Burgfrieden zu brechen. Böse Zungen behaupten, der schöne Pedro möchte auf diese Weise von anderen Problemen ablenken. Und da er weniger selbst an die Macht kam, als seinen Posten der Korruption und der politischen Unfähigkeit seines Vorgängers zu verdanken, eignet sich die jetzt vom Parlament beschlossene Umbettung hervorragend. Er kann es ein sozialistisches Projekt nennen. Zudem brauchte der Führer einer Minderheitsregierung um die Mehrheit nicht zu fürchten, den im Parlament sitzen Vertreter von Regionalparteien, und Franco war bekanntlich dann besonders radikal, wenn einzelne Regionen Spaniens nach mehr Unabhängigkeit strebten. Außerdem braucht er nicht viel Gegenwehr zu fürchten. Im Parlament stimmten Konservative und Liberale gegen die Umbettung und das Aufreißen alter Wunden, aber genauso wie die Kirche werden sie kaum Widerstand leisten, um nicht als Francisten/Faschisten bezeichnet zu werden. Während die echten Faschisten auch in Spanien bestenfalls laut, aber nicht besonders zahlreich sind.

Vale de los Caidos soll Gedenkstätte werden

Sanchez Sozialisten wollen aus der Gedenkstätte für die Opfer des Bürgerkrieges, der fracistischen Sichtweise, eine Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus machen. Freilich übersehen sie dabei, das schon heute unter den anonym bestatteten Gebeinen auch zahlreiche Soldaten bestattet sind, die gegen Franco und für die Republik kämpften. Und es darf die Frage gestellt werden, warum der Sozialist Sanchez der Zeit zwischen 1936 und 1975 gedenken will, aber die Jahre des blutigen Bürgerkrieges vorher ausklammert.

Aus sozialistischer Sichtweise macht das natürlich Sinn, denn es klammert auch die Verbrechen der Sozialisten aus, die weit mehr als nur ein paar Priester und Nonnen hingemetzelt haben. Auch die Soldaten der Republik führten Massenmorde durch, brandschatzten und vergewaltigten. Links und Rechts nahmen sich in ihrer Grausamkeit rein gar nichts. Vielleicht mit der Ausnahme, dass sich die monarchistisch-konservativen Kräfte um Franco nicht auf Befehl Berlins oder Roms gegenseitig massakrierten, was auf der linken Seite durchaus vorkam. Auf Befehl Stalins ermordeten kommunistische Soldaten ihre nicht radikal genug daherkommenden Kameraden, vor allem auch in jenen internationalen Brigaden, in denen Freiwillige aus aller Welt glaubten für die Freiheit zu kämpfen, statt eines sozialistischen Spaniens. Das davon kaum die Rede ist, liegt an der bitteren Gnade für die Besiegten, deren Verbrechen im Angesicht der Verbrechen der Sieger oft verdrängt werden. 

Klammert Sanchez aber all das aus, und das ist zu erwarten, ist seine Gedenkstätte nichts wert. Er ersetzt eine Pilgerstätte durch eine andere, trägt aber nichts zum Verheilen der Wunden bei, die trotz der inzwischen neuen Generationen doch nur vernarbt sind. Er setzt nur ein weiteres ideologischen Projekt um, wie er es seit seinem Regierungsantritt schon reichlich getan hat. Und er schafft sich in gewisser Weise sein eigenes Denkmal. Nur das große, in den Himmel ragende Kreuz im Valle de los Caidos wird ihn wohl ein wenig stören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.